Welche Kunden unterscheidet das WpHG?

Welche Kunden unterscheidet das WpHG? Die Kundenklassifzierung WpHG ist in § 67 WpHG geregelt. Das WpHG gliedert die Kunden in die folgenden drei Gruppen:

  • Professioneller Kunde
  • Geeignete Gegenpartei
  • Privatkunde

Im folgenden Informationsblog „Welche Kunden unterscheidet das WpHG?“ haben wir Ihnen die wichtigsten Anforderungen zur Kundenklassifizierung WpHG zusammengefasst.

 

Welche Kunden unterscheidet das WpHG?

 

Welche Kunden unterscheidet das WpHG? Kundeklassifizierung WpHG

Folgende Regelungen werden mit § 67 WpHG zur Kundenklassifzierung WpHG getroffen:

(1) Kunden im Sinne dieses Gesetzes sind alle natürlichen oder juristischen Personen, für die Wertpapierdienstleistungsunternehmen Wertpapierdienstleistungen oder Wertpapiernebendienstleistungen erbringen oder anbahnen.

(2) Professionelle Kunden im Sinne dieses Gesetzes sind Kunden, die über ausreichende Erfahrungen, Kenntnisse und Sachverstand verfügen, um ihre Anlageentscheidungen zu treffen und die damit verbundenen Risiken angemessen beurteilen zu können.

Professionelle Kunden im Sinne des Satzes 1 sind

1.Unternehmen, die als

a) Wertpapierdienstleistungsunternehmen,

b) sonstige zugelassene oder beaufsichtigte Finanzinstitute,

c) Versicherungsunternehmen,

d) Organismen für gemeinsame Anlagen und ihre Verwaltungsgesellschaften,

e) Pensionsfonds und ihre Verwaltungsgesellschaften,

f) Börsenhändler und Warenderivatehändler,

g) sonstige institutionelle Anleger, deren Haupttätigkeit nicht von den Buchstaben a bis f erfasst wird, im Inland oder Ausland zulassungs- oder aufsichtspflichtig sind, um auf den Finanzmärkten tätig werden zu können;

 

2. nicht im Sinne der Nummer 1 zulassungs- oder aufsichtspflichtige Unternehmen, die mindestens zwei der drei nachfolgenden Merkmale überschreiten:

a) 20.000.000 Euro Bilanzsumme,

b) 40.000.000 Euro Umsatzerlöse,

c) 2.000.000 Euro Eigenmittel;

 

3. nationale und regionale Regierungen sowie Stellen der öffentlichen Schuldenverwaltung auf nationaler oder regionaler Ebene;

 

4. Zentralbanken, internationale und überstaatliche Einrichtungen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, die Europäische Zentralbank, die Europäische Investmentbank und andere vergleichbare internationale Organisationen;

 

5. andere nicht im Sinne der Nummer 1 zulassungs- oder aufsichtspflichtige institutionelle Anleger, deren Haupttätigkeit in der Investition in Finanzinstrumente besteht, und Einrichtungen, die die Verbriefung von Vermögenswerten und andere Finanzierungsgeschäfte betreiben.

Sie werden in Bezug auf alle Finanzinstrumente, Wertpapierdienstleistungen und Wertpapiernebendienstleistungen als professionelle Kunden angesehen.

 

(3) Privatkunden im Sinne dieses Gesetzes sind Kunden, die keine professionellen Kunden sind.

 

(4) Geeignete Gegenparteien sind Unternehmen im Sinne des Absatzes 2 Satz 2 Nummer 1 Buchstabe a bis e sowie Einrichtungen nach Absatz 2 Nummer 3 und 4. Den geeigneten Gegenparteien stehen gleich

1. Unternehmen im Sinne des Absatzes 2 Nummer 2 mit Sitz im In- oder Ausland,

2. Unternehmen mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum, die nach dem Recht des Herkunftsmitgliedstaates als geeignete Gegenparteien im Sinne des Artikels 30 Absatz 3 Satz 1 der Richtlinie 2014/65/EU anzusehen sind, wenn diese zugestimmt haben, für alle oder einzelne Geschäfte als geeignete Gegenpartei behandelt zu werden.

 

(5) Ein professioneller Kunde kann mit dem Wertpapierdienstleistungsunternehmen eine Einstufung als Privatkunde vereinbaren. Die Vereinbarung über die Änderung der Einstufung bedarf der Schriftform.

Soll die Änderung nicht alle Wertpapierdienstleistungen, Wertpapiernebendienstleistungen und Finanzinstrumente betreffen, ist dies ausdrücklich festzulegen.

Welche Kunden unterscheidet das WpHG? Ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen muss professionelle Kunden im Sinne des Absatzes 2 Satz 2 Nummer 2 und des Absatzes 6 am Anfang einer Geschäftsbeziehung darauf hinweisen, dass sie als professionelle Kunden eingestuft sind und die Möglichkeit einer Änderung der Einstufung nach Satz 1 besteht.

Hat ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen Kunden vor dem 1. November 2007 auf der Grundlage eines Bewertungsverfahrens, das auf den Sachverstand, die Erfahrungen und Kenntnisse der Kunden abstellt, im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 eingestuft, hat die Einstufung nach dem 1. November 2007 Bestand. Diese Kunden sind über die Voraussetzungen der Einstufung nach den Absätzen 2 und 5 und die Möglichkeit der Änderung der Einstufung nach Absatz 5 Satz 4 zu informieren.

 

(6) Ein Privatkunde kann auf Antrag oder durch Festlegung des Wertpapierdienstleistungsunternehmens als professioneller Kunde eingestuft werden. Der Änderung der Einstufung hat eine Bewertung durch das Wertpapierdienstleistungsunternehmen vorauszugehen, ob der Kunde aufgrund seiner Erfahrungen, Kenntnisse und seines Sachverstandes in der Lage ist, generell oder für eine bestimmte Art von Geschäften eine Anlageentscheidung zu treffen und die damit verbundenen Risiken angemessen zu beurteilen.

Welche Kunden unterscheidet das WpHG? Eine Änderung der Einstufung kommt nur in Betracht, wenn der Privatkunde mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt:

1.  der Kunde hat an dem Markt, an dem die Finanzinstrumente gehandelt werden, für die er als professioneller Kunde eingestuft werden soll, während des letzten Jahres durchschnittlich zehn Geschäfte von erheblichem Umfang im Quartal getätigt;

 

2. der Kunde verfügt über Bankguthaben und Finanzinstrumente im Wert von mehr als 500.000 Euro;

 

3. der Kunde hat mindestens für ein Jahr einen Beruf am Kapitalmarkt ausgeübt, der Kenntnisse über die in Betracht kommenden Geschäfte, Wertpapierdienstleistungen und Wertpapiernebendienstleistungen voraussetzt.

 

Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen muss den Privatkunden schriftlich darauf hinweisen, dass mit der Änderung der Einstufung die Schutzvorschriften dieses Gesetzes für Privatkunden nicht mehr gelten. Der Kunde muss schriftlich bestätigen, dass er diesen Hinweis zur Kenntnis genommen hat.

Informiert ein professioneller Kunde im Sinne des Satzes 1 oder des Absatzes 2 Satz 2 Nr. 2 das Wertpapierdienstleistungsunternehmen nicht über alle Änderungen, die seine Einstufung als professioneller Kunde beeinflussen können, begründet eine darauf beruhende fehlerhafte Einstufung keinen Pflichtverstoß des Wertpapierdienstleistungsunternehmens.

 

Kundenklassifzierung WpHG: Was ist bei professionellen Kunden zu beachten?

Die Wertpapierdienstleistungsunternehmen haben die Großunternehmen i.S.d. § 67 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 WpHG sowie die heraufgestuften Privatkunden (§ 67 Abs. 6 WpHG) darauf hinzuweisen, dass sie als professionelle Kunden behandelt werden und sie darüber zu unterrichten, dass sie ihre Herabstufung betreiben können.

Ein professioneller Kunde kann gem. § 67 Abs. 5 Satz 1, 2 WpHG schriftlich mit dem Wertpapierdienstleistungsunternehmen eine Herabstufung für alle oder nur für ausgewählte Finanzinstrumente bzw. Wertpapier(neben)dienstleistungen vereinbaren.

Eine Herabstufung ist nach dieser Vorschrift nicht gegen den Willen des Wertpapierdienstleistungsunternehmens möglich.

Welche Kunden unterscheidet das WpHG? Bei den geborenen professionellen Kunden (§ 67 Abs. 2 WpHG) ist zu beachten:

  • Trotz fehlender Zulassungs- oder Aufsichtspflicht werden Unternehmen als professionelle Kunden behandelt, wenn sie mindestens zwei der in § 67 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 WpHG genannten Schwellenwerte überschreiten.
  • Die Möglichkeit, auf die Qualifikation als professioneller Kunde zu „verzichten“ (§ 67 Abs. 5 WpHG), rechtfertigt es, die in § 67 Abs. 2 Satz 2 WpHG genannten Personen auch dann als professionelle Kunden einzustufen, wenn sie im Einzelfall nicht über ausreichende Erfahrungen, Kenntnisse und Sachverstand verfügen, um die Risiken in Hinblick auf alle Finanzinstrumente sowie alle Wertpapier(neben)dienstleistungen angemessen beurteilen zu können.

 

Kundenklassifzierung WpHG: Was ist bei einer geeigneten Gegenpartei zu beachten?

Geeignete Gegenparteien (§ 67 Abs. 4 WpHG) sind besonders qualifizierte professionelle Kunden, bei denen der Schutzstandard weiter zurückgenommen wird (§ 68 WpHG).

Zu den geborenen geeigneten Gegenparteien zählen alle Unternehmen i.S.d. § 67 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 a bis e WpHG sowie die Institutionen i.S.d. § 67 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 WpHG. Gemäß Art. 45 Abs. 2 DelVO 2017/565 sind die Kunden auf einem dauerhaften Datenträger über ihr Recht zu informieren, eine andere Einstufung zu verlangen.

 

Kundenklassifzierung WpHG: Wer zählt zu den geborenen Privatkunden?

Geborene Privatkunden sind alle Kunden, die weder zum Kreis der geeigneten Gegenparteien noch zum Kreis der professionellen Kunden zählen (§ 67 Abs. 3 WpHG). Gemäß Art. 45 Abs. 2 DelVO 2017/565 sind die Kunden auf einem dauerhaften Datenträger über ihr Recht zu informieren, eine Heraufstufung zu verlangen.

Die Teilnehmer haben auch folgende Seminare WpHG Compliance Officer besucht:

Kundenklassifzierung WpHG

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